• Jana

Mama und Hausfrau – Die ganze Welt dreht sich um mich, denn ich bin nur ein Egoist.

Jana schreibt...

 

Danke Falco! Seitdem mir mein Mann heute Abend unterstellte, ich sei egoistisch, geht dein Lied mir im Kopf umher und ich habe direkt das Bedürfnis, es laut zu singen. Geht nicht, es wäre egoistisch. Aber ja, ich war heute mal so richtig egoistisch! Heute habe ich es mir mal so richtig gut gehen lassen. Mein Morgen begann damit, dass ich weder das Frühstück für unseren ältesten Sohn vorbereiten, noch ich ihn in den Kindergarten fahren musste. Ich durfte die Zeit mit meinen zwei Kleinen genießen, einen ausgiebigen Spaziergang machen, war danach im Garten, habe gekocht – unter anderem mit meinem Lieblingsgemüse Spinat – und dann habe ich mich erstmal ins Bett gelegt und gelesen! Die Zeit nutzte ich auch, um nach ein paar Kleidern im Internet zu stöbern.

Dann war es auch schon wieder Zeit, den Großen aus dem Kiga zu holen und was soll ich sagen, auch das musste ich heute nicht tun. Mein Mann brachte ihn auf dem Weg von der Arbeit mit nach Hause. Naja, meinen Nachmittag nutzte ich für einen zweiten Spaziergang zur nächsten Eisdiele. Das war das erste Mal seit Corona, dass ich wieder in der Eisdiele saß und einen Eiskaffee genießen konnte. Im Anschluss folgte ein weiterer Spaziergang durchs Feld runter zum Bach und dann über einen kleinen Umweg nach Hause. Zuhause angekommen kochte ich ein zweites Mal. Seit Tagen hatte ich Gelüste auf gefüllte Paprika und dann, naja, dann habe ich laut Musik gehört und getanzt und das fand mein Mann eben nicht so gut. Ich kann es verstehen, ich hatte mir ja heute mal so einen richtig egoistischen Tag gegönnt. Widerwillen drehte ich die Musik leiser und nach dem Abendessen lag ich auch schon um halb 10 im Bett. So war das. Kennt ihr das, wenn an dieser Stelle das Geräusch einer knackenden Schallplatte einsetzt? Und dann zerspringt das Glas des Spiegels.

Ich rechne mal kurz mit meinem Mann ab, der mir heute Abend unterstellte, ich sei egoistisch, weil ich die Musik zu laut aufdrehte, obwohl es schon Abend war und unsere Tochter zugleich müde.

Ja tatsächlich, ich habe heute ausnahmsweise unseren Sohn nicht in den Kiga gebracht und auch nicht abgeholt. Es sei mir verziehen! Aber was habe ich dann eigentlich heute gemacht? Ich habe zunächst die zwei Kleinen angezogen, dann dem Großem seine Kleidung rausgelegt. Dann habe ich für alle das Frühstück vorbereitet, die saubere Spülmaschine ausgeräumt, dreckiges Geschirr eingeräumt, mit den Jungs im Anschluss Zähne geputzt, Haare gekämmt, alle mit Sonnencreme versorgt, den Großen verabschiedet, die Kleine gestillt, den Mittleren zum ersten Mal gewickelt. Die Windel ist ausgelaufen, die Hose ist dreckig. Also noch schnell umgezogen. Mich selbst hergerichtet und den Mittleren zum Spielen zu seinem Cousin gebracht, die Kleine zum Schlafen gelegt, die ersten zwei Waschmaschinen angestellt.

Unsere inzwischen getrockneten Schwimmsachen – wir waren gestern das erste Mal seit dem Sommer wieder schwimmen – weggeräumt. Im Anschluss gestaubsaugt und schnell ein paar WhatsApp Nachrichten geschrieben, denn der Junggesellinnenabschied meiner Schwester organisiert sich nicht von alleine. Daraufhin alle Flächen in der Küche gewischt. Dann ist die Kleine aufgewacht, wollte gestillt werden. Also gestillt, gewickelt und den Mittleren bei seinem Cousin abgeholt. Dann den Hund meiner Eltern, der zurzeit bei uns Urlaub macht, angeleint und die beiden Kinder für den Spaziergang fertig gemacht. Nach einer Stunde Spaziergang im Feld zurückgekommen mit einer nassen Hose. Macht nichts, ab in den Garten.

Der Vormittagssnack findet heute hier statt. Wir pflücken Erdbeeren und Himbeeren, nebenbei mache ich ein bisschen Unkraut weg, checke das Gemüsebeet, stelle fest, dass die Schnecken inzwischen Gurkenpflanze Nummer 5 vernichtet haben. Zum Glück habe ich Nummer 6 gerettet. Gehe in den Hof und fege ihn. Die Nadeln der Eibe von Nachbars Grundstück kommen gerade im Sekundentakt runtergerasselt. Unser Gartensnack reicht nicht, also gehts wieder in die Küche. Ich schneide Pfirsich und Melone für den Mittleren. Während der Mund noch voll ist, lässt er verlauten, dass er jetzt Mittagessen möchte. Also fange ich an zu kochen.


Alle Händewaschen, nächste Spülmaschine ausräumen, Tisch decken, essen. Zum Glück schmeckt es dem Mittleren fast immer. Zum Glück auch heute. Tisch abräumen, Spülmaschine einräumen, Tisch und Arbeitsfläche wischen. Die Windel des Mittleren ist schon wieder voll. Zuvor noch die Kleine in die Wiege legen und zum Einschlafen bringen. Zum Glück schläft sie so schnell ein. Meine Kinder sind toll! Dann wieder zum Wickeltisch, die nasse Hose vom Spaziergang ausgezogen, den Mittleren ins Bett gebracht, 50 Seiten Feuerwehrmann Sam vorgelesen. Habe ich erwähnt, dass meine Schwester heiratet? Jap, wir brauchen alle noch etwas oder etwas mehr zum Anziehen. Also danach im Internet geschaut, die Kleine gestillt, die war inzwischen wieder wach und musste auch wieder gewickelt werden. Mist, die Windel war ausgelaufen. Was war denn heute los? Also, noch schnell ein neues Outfit angezogen. Das erinnerte mich an die Wäsche. Neuen Wäschekorb mit dreckiger Kleidung gepackt, gegen die nun saubere Wäsche ausgetauscht. Saubere Wäsche aufgehängt, mit der Kleinen gespielt, nebenbei den Großen fürs Wochenende verabredet und noch mal nach Kleidung für die Hochzeit im Internet gestöbert. Nicht fündig geworden.

Die Kleine macht schon wieder in die Windeln. Also wieder auf den Wickelttisch und der Große kommt mit Papa nach Hause. Der Große schläft heute bei seinem Freund. Daher alles für die Übernachtung eingepackt, noch schnell alles Wichtige vom Kindergartenalltag erzählen lassen, gekuschelt und dann schon wieder verabschiedet. Mein Mann kommt zurück, erzählt, dass er die letzte Nacht nicht gut geschlafen habe und er jetzt noch zur Post müsse. Ich die Zeit noch genutzt, um ein Abschiedsgeschenk für ein Kind aus seiner Klasse fertig zu basteln. Dann den Mittleren geweckt und angezogen. Zur Sicherheit die Kleine noch mal gestillt, weil ich inzwischen entschieden habe, dass wir gemeinsam spazieren gehen. In meinem Kopf schon geplant, meinen Mann etwas wacher zu machen und aufzumuntern. Mein Mann hatte zum Glück die gleiche Idee.

Nach der Post ging es zur Eisdiele. Im Anschluss folgte der zweite Spaziergang für diesen Tag runter zum Bach. Mit dem Mittleren Steine und Stöcke zum Reinwerfen gesammelt, gespielt. Schnell auf dem Nachhauseweg bei meinen Eltern vorbei, Unkraut im Hof entfernt. Mein Mann lies während ich da kniete verlauten, dass er Hunger habe. Also nach Hause ein zweites Mal gekocht. Während das Essen brutzelte, Wäsche aus der Maschine geholt, die restliche Wohnung gestaubsaugt, Gemüse geschnippelt, Tisch gedeckt und dann habe ich gemerkt, dass ich noch gar keine Übungen zur Rückbildung heute gemacht habe. Okay, Beckenboden anspannen mache ich inzwischen den halben Tag über bei jeder Gelegenheit. Also Musik angemacht, Essen auf dem Herd beobachtet, Bewegungen gemacht, Becken kreisen lassen, gefolgt von ein paar Kraftübungen und einfach den Mann und die Kinder ignoriert. Fehler des Tages!

Es gab gefühlt keine fünf Minuten später einen Anschiss inklusive der Androhung, er überlasse die übermüdete Kleine gleich mir. Kurze Diskussion, Hände waschen, Abendessen. Zum Glück hatte ich nach dem Mittagessen und dem Eis keinen großen Hunger und konnte noch während des Essens die Kleine fürs Bett fertig machen, stillen und hinlegen. Ach nee, der läufige Hund meiner Eltern hatte sich wohl während unseres Nachmittagsspaziergangs in unser Bett gelegt. Also das Bett abgezogen und neu bezogen. Jetzt aber stillen, hinlegen! Die Kleine weint, kann froh sein, dass mein Mann den Mittleren übernimmt. Nebenbei per WhatsApp nach dem Großem gefragt. Der schläft seit einer Stunde. Würde er das doch nur ein einziges Mal bei uns um die Uhrzeit machen. Dafür ist der Mittlere immernoch wach, aber die Kleine ist eingeschlafen und dann mache ich mich schließlich um halb 10 fürs Bett fertig, entscheide ein Egoist zu sein. Ich lege mich ins Bett, denke darüber nach, dass ich meinen Job als Mama und Ehefrau liebe, es ein schöner und entspannter Tag war und mein Mann ein richtiger Arsch sein kann. Ab jetzt dreht sich die ganze Welt um mich und ich bin nur ein Egoist.

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