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Praxistipps zum Alltag mit Kindern – Teil 2: Allgemeine Ratschläge

Jana & Maik schreiben...

 

Wir haben in den vergangenen Wochen schon so einige Tipps und Tricks mit anderen Menschen und Familien geteilt, dennoch steht regelmäßig die Frage an uns im Raum, wie wir DAS alles schaffen. Unsere bisherige Antwort: „Naja, da wächst man halt so rein. Wir empfinden das gar nicht als anstrengend.“

Aber weil gerade unser Familienalltag eine Menge dazu beiträgt, können wir eben ganz unterschiedliche Ideen zur Freizeitgestaltung bei uns umsetzen und an andere weitergeben. Daher widmen wir uns heute unseren ganz allgemeinen Ratschlägen, welche wir aus unserer Erfahrung heraus anderen ans Herz legen möchten, um die Familienzeit bestmöglich auzuschöpfen.

Schritt 1: Gewohnte Strukturen schaffen

Es mag so einfach klingen, doch das Grundgerüst unserer Familienzeit bilden Strukturen. Hierzu dienen uns die Betreuungszeiten im Kindergarten oder auch unsere Arbeitszeiten. Darüber hinaus haben wir aber auch für uns als Familie einen strukturierten Alltag geschaffen, da eben jene festen Zeiten uns allen Sicherheit geben.

Gelernt haben wir dies vor allem von unseren Kindern. Wir stellen immer wieder fest, dass sie unsere Gewohnheiten benötigen, um sich zurechtzufinden. Dies ist in unserem Fall besonders wichtig, da jeder Tag aufgrund von Maiks variierenden Arbeitszeiten anders ist. Aber wir wissen, dienstags machen wir unseren Großeinkauf, samstags ist Badetag, sonntags wird gezockt und so weiter. Drumherum haben wir dann noch freie Zeiten zum Gestalten. Strukturen geben Klarheit, Sicherheit und Planbarkeit für den Familienalltag. Daher sind sie einer der Pfeiler, auf denen unsere Familie steht.

Schritt 2: Flexibel bleiben

So wichtig diese Strukturen auch sind, ist es für uns als Familie notwendig, flexibel zu bleiben. Das Leben mit (und ohne) Kinder birgt Unvorhergesehenes, sodass man spontan darauf reagieren muss. Am Beispiel des wöchentlichen Einkaufs heißt das, dass wir in manchen Wochen auch ein zweites oder auch ein drittes Mal einkaufen gehen müssen, weil wir etwas vergessen haben oder die Milch im Dorfladen nicht mehr zu bekommen war. Das ist dann vor allen Dingen nervig, weil Jana gar nicht gerne einkaufen geht und nun zusätzliche Zeit dafür benötigt wird. Aber manchmal ist es eben so und manchmal kann man tricksen und es wird gar keine Milch benötigt.

Bereits in der Schule lernen unsere Kinder ein solches Vorgehen im Rahmen von Wochenplänen oder Stationsarbeiten. Sie erhalten dort einen strukturierten Alltag mit klar definierten Zielen, müssen diesen aber auch flexibel gestalten, wenn beispielsweise benötigte Materialien gerade vergriffen sind. Schafft ihr diesen Spagat zwischen Struktur und Flexibilität, seid ihr dem entspannten Familienalltag schon ein kleines Stück näher.

Schritt 3: Spaß haben

Wichtig bei allem, was wir tun, ist es, keinen Trott reinkommen zu lassen. Wenn Jana keine Lust hat, einkaufen zu gehen, gibt es am nächsten morgen Brot anstelle von Müsli mit (der vegriffenen) Milch zum Frühstück – immer schön flexibel bleiben, aber unbedingt früh genug mit allen kommunizieren. Die Milch wird dann eben samstags auf dem Markt geholt. Dann bleibt es abwechslungsreich und der Besuch des Markts macht mehr Spaß als der Einkauf im Supermarkt. Es ist egal, ob es sich um den Wocheneinkauf, das Staubsaugen der Wohnung oder den Frühjahrsputz handelt, ihr solltet alles mit einem Lächeln nehmen, denn die positive Grundstimmung wirkt sich auch auf eure Kinder aus. Manche Dinge müssen eben erledigt werden, aber es geht meistens auch in Verbindung mit etwas Spaß.

Alternativ ist auch Maiks Vorschlag möglich: Ihr könnt euch beim Laufen durch die Gänge des Supermarkts gerne zum Affen für eure Kinder machen, indem ihr zum kurzen Sprint mit dem Einkaufswagen ansetzt oder ihr platziert die Kleinen beim Rausstellen der Mülltonne für Papier in ebendieser. Verbindet Notwendigkeiten mit spaßigen Momenten und nehmt euch selbst nicht immer allzu ernst.

Dass das nicht immer klappt, ist aber auch ein Teil des Alltags. Sowohl wir Erwachsenen als auch unsere Kinder wollen nicht immer die alltäglichen Aufgaben meistern und das ist auch in Ordnung so. Sprecht darüber und verdeutlicht einander, dass manches aber eben erledigt werden muss, auch wenn es mal keinen Spaß macht.

Schritt 4: Bewusst Zeit für die Kinder nehmen

Wenn wir dann alle Einkäufe erledigt haben und die Mülltonnen draußen für die Müllabfuhr bereit stehen, ist es wichtig, dass wir Zeiten für die Kinder und ihre Bedürfnisse einplanen. Das sind häufig kleine Momente. Aktuell sind wir in jeder regenfreien Minute im Garten und ständig mit unserem Kind Nummer 2 im Unkraut verschwunden, um Walderdbeeren, Johannis- und Himbeeren zu ernten. Bei Regenwetter hören wir ganz bewusst den ewig anhaltenden Monologen unseres Ältesten zu, der mal Erfinder werden will und abermillionen Ideen für sämtliche Erfindungen hat und da muss man sich wirklich Zeit nehmen. Es ist nicht immer leicht, seinen Gedanken zu folgen. Schließlich muss ab und zu mal nachgehakt werden, ob er dieses und jenes bei seinem Fahrrad, welches mithilfe von Gras angetrieben wird, bedacht hat.

Ihr klarer Blick auf die Welt, die Natur oder auf Neues ist nicht nur spannend zu beobachten, es ermöglicht uns mal abzuschalten, unsere Kinder in ihrer Leichtigkeit zu begleiten und hier und da als Berater und Unterstützer tätig zu werden.

Schritt 5: Sich selbst nicht vergessen

Wir sind 24/7 Eltern. Das haben wir uns ausgesucht und dennoch haben wir auch Hobbys außerhalb dessen und für diese Hobbys benötigen wir Zeit. Wir haben gelernt, uns diese Zeit zu nehmen und zwar ganz bewusst. Dadurch kann sich jedes Elternteil bewusst auf eben jene Stunden einstellen, die nur den eigenen Bedürfnissen gewidmet sind.


Wir machen gerne Sport, Maik zockt gerne, Jana näht. Wir beide handwerken gern. Sport findet zu festen Zeiten statt, alles andere wird frühzeitig besprochen. Nehmt euch diese Zeit. Manchmal tut es gut, mal nicht nur Mama oder Papa zu sein, sondern einfach Jana oder Maik und dann macht es umso mehr Spaß, wieder zurück zu kommen und freudig mit den Worten empfangen zu werden: „Mama/Papa ist wieder da!“

Schritt 6: Paarzeit

Neben Arbeit, Haushalt, eigener Zeit und Kindern dürft ihr euch als Paar niemals vergessen und das kann ganz simpel sein: Ein Blick, eine Berührung, ein Kuss, eine SMS, ein paar Worte. Es gibt Tage, da muss das reichen und das tut es dann auch, weil wir es zu deuten wissen.

Und auch wenn eine Pandemie ausbricht oder kein Babysitter zur Verfügung steht, verabreden wir manchmal am Morgen, dass wir uns abends Zeit für einander nehmen. Dann ist es manchmal wie ein aufregendes Date, das kurz bevor steht und da freuen wir uns dann ganz bewusst drauf, auch wenn es "nur" ein Date Zuhause mit Lieferservice ist.

Schritt 7: Reflektieren

Wir sind beide in pädagogischen Arbeitsfeldern unterwegs und deshalb fällt es uns vermutlich einfacher, als vielen anderen Eltern. Wir reflektieren uns ständig. In unseren Gesprächen dreht es sich immer wieder um die Frage, ob wir glücklich sind.

Wir haben Ziele definiert, wir sprechen über die Zukunft, haben unsere Vergangenheit im Blick und überprüfen in Gesprächen immer wieder, was wir brauchen, um im hier und jetzt glücklich zu sein. Den Weg, den wir gehen, haben wir uns bewusst ausgesucht. Das war nicht immer so, das hat auch nicht immer geklappt, aber auch wenn wir stolpern, gehört dieser Stein eben mit dazu. An genau diesen Stellen ist es dann wichtig, sich zu Fragen, will ich hier weitergehen, bin ich glücklich und wenn nicht, was muss passieren, dass ich glücklich bin und in den allermeisten Fällen haben wir Schritt 1, 2, 3, 4, 5 oder 6 nicht beachtet und einer von uns ist gestolpert.

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